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Bild: Pexels / Kristina Paukshtite
VorsorgenGeldfragen6 min.

Female Finance: Warum Liebe keine Altersvorsorge ist

Katrin Bühner

Zu jung für Altersvorsorge? Bist du nicht.

Frauen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen, denken meist an eine Sache nicht: ihre Rente. Das überrascht wenig – wer weiß schon, was in 40 Jahren sein wird? Dass es allerdings notwendig ist, sich so früh wie möglich mit dem Thema Altersvorsorge bzw. Rente auseinanderzusetzen, zeigt die Versorgungslücke (auch Rentenlücke oder Gender Pension Gap genannt): 2023 erhielten Frauen in Deutschland durchschnittlich 27,1% weniger Rente als Männer.* Dieser Unterschied ist existenziell und führt gerade bei alleinstehenden beziehungsweise geschiedenen Frauen oft zu Altersarmut.

*Quelle: Gender Pension Gap: Was kann ich tun? | Sparkasse.de

Warum erhalten Frauen im Schnitt weniger Rente?

Frauen übernehmen auch heute noch häufiger unbezahlte Care-Arbeit, meist zu Lasten ihrer Erwerbsarbeit. Außerdem üben sie seltener Führungspositionen aus und arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Branchen. Das führt dazu, dass Frauen durchschnittlich weniger verdienen als Männer – 2024 lag der Unterschied, auch „Gender Pay Gap“ genannt, bei 16%.* Diese Differenz ist der Hauptgrund für die Versorgungslücke im Alter. Darüber hinaus scheuen viele Frauen vor dem Thema Geldanlage zurück und sind deswegen im Schnitt schlechter abgesichert als Männer.

*Quelle: Gender Pension Gap: Was kann ich tun? | Sparkasse.de

Bild: Pexels / Kaboom Pics

Wie vermeide ich eine Versorgungslücke?

Beim Thema Altersvorsorge ist es sinnvoll, sich mehrgleisig aufzustellen. Empfohlen ist zum Beispiel das Drei-Säulen-Prinzip „gesetzlich, betrieblich, privat“ – also eine Ergänzung deiner gesetzlichen Rente durch eine betriebliche und eine private Absicherung.

  • Viele Arbeitgeber bieten inzwischen eine betriebliche Altersvorsorge an. Informiere dich am besten in deinem Betrieb darüber, was möglich ist.
  • Bei der betrieblichen, aber auch bei der privaten Altersvorsorge, gilt: Zeit ist Geld. Je länger deine Geldanlage „arbeiten“ kann – Stichwort Zinseszinseffekt – desto besser. Oft reicht hier auch schon ein geringer Geldbetrag, den du monatlich zur Seite legst. Fang damit am besten so früh wie möglich an. So sicherst du dir deine Unabhängigkeit – heute und auch in Zukunft.
  • Welche Geldanlage zu dir passt, ist extrem individuell. Lass dich hierzu professionell beraten. Allgemein kann man sagen, dass eine Anlage sinnvoll ist, die eine Rendite oberhalb der Inflationsrate erzielt. Das können ETF-Sparpläne, eine private Rentenversicherung oder auch Aktien sein.
  • Zusätzlich zu den bisher genannten Optionen gibt es noch die Möglichkeit, Ausgleichszahlungen für Arbeitspausen festzulegen. Die Person, die in Vollzeit arbeitet, zahlt dabei für die Person in Eltern- oder Teilzeit in die Rentenkasse ein und gleicht den Ausfall somit aus. Wichtig zu beachten: Dieses Modell sorgt für mehr Fairness in der Partnerschaft, ersetzt aber dennoch keine eigene (private bzw. betriebliche) Altersvorsorge.

Wirtschaftsberatung für Frauen

Justine Ivakovic ist Gründerin und Geschäftsführerin der DI Frau GmbH – einer Wirtschaftsberatung speziell für Frauen. In ihrer Tätigkeit als Finanzcoach unterstützt sie Kundinnen bei deren Finanz- und Lebensplanung.

Wir haben ihr ein paar Fragen zu finanzieller Unabhängigkeit, Altersvorsorge & Co. gestellt.

Bild: Gottfried Stoppel

Warum ist finanzielle Unabhängigkeit für Frauen so wichtig – und welche Rolle spielen frühzeitige Finanzentscheidungen?

Weil Abhängigkeit keine Option ist. Wer nicht selbst entscheidet, wird entschieden. Früh mit Geld umzugehen, bedeutet: Freiheit, Sicherheit – und keine Kompromisse. Der größte finanzielle Einschnitt für viele Frauen kommt nicht überraschend, sondern planbar – mit der Familiengründung. Rund um das erste Kind (Ø Alter: 30) beginnt oft der Weg in Teilzeit, mit weniger Einkommen und weniger finanziellen Chancen. Weniger Einkommen heißt weniger Spielraum für Vermögensaufbau – und erschwert z. B. auch Immobilienfinanzierungen. Was heute versäumt wird, fehlt später doppelt: bei Rente und Rücklagen. Früh investieren heißt: Selbstbestimmt bleiben. Kinder sind kein Armutsrisiko – wenn wir rechtzeitig vorsorgen. Vorsorge heute bedeutet Freiheit und Sicherheit morgen: Wer finanziell unabhängig sein will, sollte früh mit dem Vermögensaufbau beginnen.

 

Viele Frauen zögern, sich intensiv mit Altersvorsorge zu beschäftigen. Was sind die größten Hürden und wie kann man sie überwinden?

Es ist oft nicht das fehlende Wissen, das uns bremst – sondern die Angst, etwas falsch zu machen. Lieber nichts tun, als einen Fehler riskieren? Der größte Fehler überhaupt. Klar, im Rückblick ist man immer schlauer. Aber wir treffen Entscheidungen nie mit dem Wissen von morgen – sondern aus dem Bauchgefühl und Wissen von heute heraus. Und das ist okay! Denn unser Leben ist eine Momentaufnahme in Bewegung. Perfektion ist eine Illusion. Altersvorsorge muss nicht perfekt sein – nur mutig, flexibel und ehrlich. Der wichtigste Schritt ist der erste: anfangen.

Bild: Pexels / Leelo The First

Welche ersten Schritte empfiehlst du Frauen, die ihre Finanzen selbstbestimmt regeln und langfristig Vermögen aufbauen möchten?

Mach dein Konto zum Spiegel deiner Werte. Was kommt rein, was geht raus – und was bleibt wirklich für dich? Wer seine Geldströme kennt, kann sie auch bewusst lenken. Das ist der erste Schritt in Richtung Selbstbestimmung. Dann: Investieren. Nicht perfekt – aber mutig. Entscheidungen treffen wir immer aus dem Hier und Jetzt heraus, mit dem Wissen und Gefühl von heute. Warten auf den „richtigen Moment“ ist ein Risiko, das wir uns nicht leisten können. Niemand übernimmt das für dich – also fang an. Jetzt.

Bild: Pexels / Monstera Production

Welche finanziellen Fallstricke sollten Frauen insbesondere bei Karrierepausen oder in Partnerschaften vermeiden?

Liebe ist keine Altersvorsorge – und Mutterschaft darf kein Armutsrisiko sein. Karrierepausen, Teilzeit, Care-Arbeit: All das hat langfristige Folgen für Rente, Vermögen und finanzielle Unabhängigkeit. Der größte Fehler? Zu vertrauen, ohne abzusichern. Gefühle sind wichtig – aber rechtlich zählen Fakten. Wer nicht schriftlich regelt, steht im Zweifel mit leeren Händen da. Deshalb: Verträge prüfen, Vereinbarungen treffen, an die eigene Absicherung denken. Nicht aus Misstrauen, sondern aus Selbstachtung.

Katrin Bühner

Referentin Unternehmenskommunikation
katrin.buehner@kskwn.de

Referentin Unternehmenskommunikation
katrin.buehner@kskwn.de

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